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Rückschau: SundMehr - "Wie sag ich's meinen Eltern?" (Gast: Kinder von Gesprächskreisteilnehmern)
Zweiundzwanzig Leute besuchten am 30. September 2016 den Gesprächskreis SundMehr, um sich darüber auszutauschen, wie Kinder es ihren Eltern am besten sagen können ? dass sie über die sadomasochistischen Vorlieben ihrer Eltern schon längst Bescheid wissen. Dass die Frage nicht abstrakt erörtert wurde, konnte durch vier Töchter langjähriger Gesprächskreisteilnehmer gewährleistet werden, die als Fachleute anwesend waren.
Bei der Vorstellungsrunde stellte sich heraus, dass die wenigsten der anwesenden Elternteile ihre Neigungen vor ihren Kindern geheim hielten oder -halten konnten. Eine Tochter machte bei der Vorstellungsrunde gleich klar, dass dies auch kaum möglich wäre, ? die Kinder bekämen es ohnehin heraus. Ihre ebenfalls anwesende Schwester meinte zur Frage, ob sie es verheimlichen würde, wenn sie Kinder hätte, dass es ihr zu anstrengend wäre. Die Mutter der beiden hatte sich lange Jahre der Illusion hingegeben, es erfolgreich verheimlichen zu können, wie sie zur allgemeinen Heiterkeit darlegte. Auch die zu ihrem Bedauern nicht anwesende Tochter einer weiteren Gesprächskreisbesucherin wisse Bescheid. Mit ihr könne sie über alles sprechen, auch wenn es die Sexualität beträfe,? so hatte sie z.B. ihren O-Ring kommentiert. Dass dies nicht ganz selbstverständlich ist, berichtete eine andere Teilnehmerin; mit einer Tochter könne sie mehr, mit einer anderen weniger darüber sprechen. Ihr Partner, ohne Kinder, plädierte dafür es ab einem gewissen Alter anzusprechen, jedoch ohne es aufzudrängen. Die Söhne des ältesten anwesenden Gesprächskreisteilnehmers,? beide Mitte vierzig,? wüssten nichts darüber. Von familiären Umwegen berichtete ein Vater, dessen Töchter vierzehn und sechzehn Jahre alt sind: ohne einen Hehl aus seiner Neigung zu machen, ist er sich klar darüber, dass beide viel internet-versierter sind als er selbst, weshalb sie nachvollziehen konnten, auf welchen Seiten er unterwegs ist. Dies würde jedoch nicht mit ihm thematisiert, sondern mit der Patentante, die ihm dann wieder Rückmeldung gibt. Er selbst wolle über das Thema nicht mit seinen Töchtern sprechen.
Ein neuer Teilnehmer, der gerade dabei ist, seine Neigungen neu zu entdecken und dabei den Schwerpunkt in Bondage sucht, räumt die Seile weg, wenn seine Töchter bei ihm sind. Dennoch war er überrascht, als er einmal eine Puppe seiner Tochter an ein Bügelbrett gefesselt vorfand.
Die Tochter, die sich wohl selbst ertappt fühlte, band sie dann jedoch sorgfältig wieder los. Sein Nebensitzer in der Runde war sich bei der Vorstellung, Kinder zu haben, unsicher ob er es verheimlichen würde und wenn ? wie lange.
Alle anwesenden Eltern waren geschieden oder getrennt lebend und so berichtete ein Vater, dass er das Thema bis jetzt problemlos verschweigen konnte. Der nun heranwachsende Sohn wird allerdings mobiler und kommt auch spontan vorbei, wodurch er sich schon überlegt, wie er damit umgehen sollte, falls er etwas von seinen Neigungen mitbekommen sollte. Ein Vater berichtete davon, dass seine Kinder nichts davon wüssten. Dennoch beabsichtige er nicht, lange ein Doppelleben zu führen.
Eine der anwesenden Töchter fand die Aussage amüsant, berichtete aber selbst: dass sie es ihren Kindern nicht sagen würde, sofern sie vom Thema betroffen wäre. Sie wolle vom Sex-Leben ihres Vaters eigentlich nichts wissen, wenn es allerdings bekannt würde, würde sie davon wissen wollen, kam dann doch eine Ambivalenz zum Vorschein. Ihr Vater berichtete, dass sie es schon im Kindesalter mitbekommen haben müsste, als sie seine Stiefel ausgeliehen haben wollte, worauf die Tochter Einspruch erhob: sie habe sich dabei doch gar nichts gedacht. Der Vater äußerte dann aber, dass er es nicht aktiv angesprochen, jedoch auch keinerlei Anstrengungen gemacht habe, es zu verheimlichen. ?Seine Kinder zu belügen ist jedenfalls das schlimmste, was man machen kann!? unterstrich er seine Aussage.
Der nächste in der Vorstellungsrunde, wollte eine differenziertere Sicht: es seien zwei Paar Schuhe, ob man seinen Kindern auf abstrakter Ebene, mit einer gewissen akademischen Distanz, etwas über Sadomasochismus im Allgemeinen und im Besonderen erkläre, oder von eigenen intimen Einzelheiten berichte. Im Prinzip ginge seine Sexualität seine Kinder auch nichts an. Auch seine kinderlose Partnerin plädierte dafür, es weder pro-aktiv anzusprechen noch es zu verheimlichen, alle Fragen zu beantworten und keine Ausreden zu erfinden.
Dass Male von einer Session auch zu einem aufklärenden Gespräch führen können, berichtete ein Vater, der so einen Anlass zu einem aufklärenden Gespräch mit seinem jungen Sohn fand, der seinerseits enttäuscht war, weil die Illusion, dass die letzte Balgerei mit dem Papa bei diesem zu Spuren geführt hätte, dahin war.
Ein weiterer, seit Jahren von seinen Kindern getrennt lebender, aber doch in Kontakt stehender Vater hatte nie die Notwendigkeit gesehen, SM seinen Söhnen gegenüber zu thematisieren. Seine Verlobte berichtete von ihren Kindern, dass ihr Sohn eine eigene Affinität zu SM gefunden hatte und sie immer mal wieder um Tipps gebeten hatte, ohne dass sie ihm sagte, woher ihr Wissen kam. Flapsig hatte er sie auch ?meine Domi-Ma? genannt. Als es sich schließlich ergab, dass sie sich outete, reagierte er nur mit: ?Ach darum weißt du so gut Bescheid.?? Die anwesende Schwester, die den Bericht mit Amüsement verfolgte, meinte selbst, für sie sei das ganze klar gewesen, weil sie sich ja im Haushalt beteiligt habe. Da wären dann schon einige nicht alltägliche Wäschestücke dabei gewesen oder mal eine Seil auf der Leine gehangen, das nicht zum Aufhängen von Wäsche gedacht gewesen sei. Sie selbst würde, wäre sie betroffen, das Thema auch privat halten. Wenn das Gespräch jedoch darauf käme, sich ihren Kindern gegenüber outen.
Abgeschlossen wurde die Vorstellungsrunde von dem Bericht eines Vaters, der vor allem aufklären und seinen Kindern ein potentielles Leiden unter der eigenen Sexualität ersparen wollte. Dennoch sei es auch hier zu latenten Drohungen der Ex-Frau gekommen, dem Jugendamt zu berichten, dass das BDSM-Magazin Schlagzeilen offen herum gelegen habe. Als er seine Töchter im Grundschulalter beim spielerischen Balgen und sich durchkitzeln beobachtet habe und ganz nebenbei die Frage gestellt bekam, ob er es auch ?geil fände, gefesselt zu werden?, habe er dann aufklärerische Auskunft gegeben, während er selbst im Gedanken vertieft war, was gewesen wäre, wenn er selbst diese Auskünfte als Kind so bekommen hätte?. Mit der Frage, was denn nun der Gradmesser sei, wie viel und was man wann erzählen sollte, wurde das Gespräch nach der bereits reichhaltigen Vorstellungsrunde eröffnet. Für einen Vater war es einfach die Tatsache, dass er sich nicht verstecken oder drumrum drucksen wollte. Spontane, komische Überraschungen könnten so vermieden werden. Hätte ihr Sohn sie nicht direkt darauf angesprochen, hätte sie es ihm auch nicht erzählt, berichtete eine Mutter. Klar war allen anwesenden jedoch? wohl auch aus der Erfahrung mit ihren eigenen Eltern,? dass Kinder von der ausgelebten Sexualität ihrer Eltern nichts mitbekommen wollen, obwohl sie davon ausgehen, dass die Eltern eine Sexualität haben.
In der Diskussion, an der die nun gerade Anfang zwanzig-jährigen Kinder ihrer Eltern teilnahmen, stellte sich die Frage: Bis zu welchem Punkt können Kinder damit umgehen, von der Sexualität der Eltern zu erfahren.
Ihr sei es egal, meinte eine der angesprochenen. Die Sexualität ihrer Mutter interessiere sie nicht die Bohne. Ihre Schwester hatte die Mutter bereits zu einer SM-Party begleitet ? unter der Bedingung, dass sie ihre Mutter nicht in Aktion sehen wird, also ?nur zum Gucken? ?und fand das alles sehr interessant.
Ein Vater stellte die Frage, ob es vielleicht auch um das Schutzgefühl der Kinder ginge, die ja sicher nicht sehen wollten, wie ein Elternteil gequält oder erniedrigt würde. Sowas könne man doch kaum einordnen. Eine der Töchter berichtete, dass umherliegendes SM-Equipment für sie nicht ?schlimm? gewesen sei. Jedoch habe sie keinerlei Details wissen wollen.
Andere Anwesende ergänzten, dass dies ja nicht nur für Kinder, sondern auch für Freunde komisch sei, die mit SM nichts zu tun hätten. Ob es für Kinder eine Rolle spielt, auf welcher Seite der Vater oder die Mutter im SMigen Spiel steht, konnte nicht eindeutig geklärt werden.
Dass man nicht auf akademischer und dennoch inhaltlicher Ebene über SM sprechen könne, berichtete deine Mutter, deren Sohn sich auf philosophisch-psychologischem Hintergrund dafür interessierte, warum es erwachsene Mitbürger gibt, die sich regelmäßig in einem Gesprächskreis treffen, um sich über ihre Sexualität auszutauschen. In diesem Zusammenhang sei es eher um das Thema gegangen, wie Menschen sich fühlen können, was interessant sein kann, auch ohne persönliche, intime Details zu verbalisieren. Zudem zeigt sich hier eine Grenze, die auch im Gesprächskreis SundMehr bei Lichte betrachtet kaum überschritten wird; auch unter Sadomasochisten gibt es einen Bereich der ?Intimität,? der mit Fug und Recht nicht in großer Runde erörtert wird. Aus der Runde hieß es dann ergänzend, dass andererseits auch nichts tabuisiert werden sollte.
Genau dies scheint der Knackpunkt beim gesamten Aufklärungsthema zu sein, an dem sich schon Generationen von Eltern auch ohne Affinität zu SM sich die Zähne ausgebissen haben, um sich mit ihren Aufklärungsversuchen dann zu den Bienen zu flüchten.
Doch schwingt bei SM auch immer die Angst vor Diffamierung und Ausgrenzung mit. So berichtete ein geschiedener Vater mit weitläufiger Verwandtschaft in sehr konservativen, religiösen, schwäbischen Glaubensgemeinschaften von seinen Bedenken, seine Ex-Frau könnte Informationen ungesteuert an seine Verwandtschaft streuen, wodurch er Schwierigkeiten bezüglich seiner Vaterschaft fürchtet.
Doch wo fängt im Umgang mit Kindern die Überforderung an? Ein Anwesender wiederholte sein Plädoyer für Offenheit, ohne sich den Kindern aufzudrängen. Doch wo ist der Moment, ab dem spätestens ?Tacheles? geredet werden sollte, wurden die betroffenen Nachkommen SMiger Eltern um ihre Meinung gebeten.
?Der Zeitpunkt ist spätestens dann da, wenn der Alltag durch das Doppelleben so beeinträchtigt wird, dass die Beziehung darunter leidet?, gab eine Tochter zur Antwort. Die Kinder könnten sich fragen: ?Was machen meine Eltern so schlimmes, dass sie es mir nicht mal sagen wollen?? Kinder sind dann eher sauer, wenn sie es später hintenrum erfahren, ergänzte eine weitere, von einem SMigen Elternteil betroffene Tochter.
Zu Bedenken blieb, dass alle Aussagen von nun schon erwachsenen Kindern kamen? und von solchen, die mit der Tatsache, dass ihre Eltern(-teile) etwas mit SM zu tun haben, umgehen konnten (denn andere wären schwerlich bereit gewesen an diesem denkwürdigen Abend ihre Eltern zu SundMehr zu begleiten); ein Grund, warum die Statements dieses Abends leider nicht als repräsentativ gelten können. Fraglich bleibt also, wie man mit minderjährigen Kindern das Thema angeht. Doch über die schon erwähnten Beispiele hinaus scheint es kein Rezept geben zu können.
Es besteht natürlich die Möglichkeit, mit seinen Kinder über Safe, Sane und Consensual als Werte-Codex der SM-Szene ins Gespräch zu kommen, auch als Haltung für das gesamte Leben, das von Toleranz und Offenheit geprägt sein sollte. Doch wird auf dieser Ebene ein aufklärendes Coming-Out-Gespräch mit den eigenen Kindern sicher nicht möglich sein, wenn man sich vierzehn oder sechzehn Jahrelang als intoleranter Spießer darstellte und dann plötzlich, weil ?die Zeit reif ist und die Kinder es erfahren können?, aufgrund eigener Betroffenheit in Sachen SM auf Toleranz und Mitmenschlichkeit pocht. ?Eltern, die Toleranz wollen, sollten selbst mit gutem Beispiel vorangehen?, formulierte es eine Tochter treffend.
Wichtig war einer anderen der anwesenden Nachkommen die Perspektive, ob das Kind Interesse am Thema zeigt oder ob es ihm egal ist. Doch gerade dies rauszubekommen, ist die große Herausforderung für die Eltern. Dabei scheint eine familiäre Grundtendenz zur Kommunikation durchaus eine Rolle zu spielen. Manche Menschen sprechen einfach wenig über ihre Gefühle.
Und eine anwesende Mutter formulierte ebenso passend: ?Die vertrauensvolle Beziehung zum eigenen Kind beginnt mit der Geburt. Nur wenn es diese Basis gibt, kann man später auch über alles sprechen.? Gradmesser, ob und in welcher Form man über SM und auf sachlicher Ebene über seine Geheimnisse sprechen sollte, ist die Gefahr für die Beziehung zu Kindern. Das Vertrauen, dass auch herangewachsene Kinder spüren, wenn ein Elternteil sich ihnen öffnet, kann als Belohnung zu einer Vertiefung und Stärkung der Beziehung zu den Kindern führen, weil sie sich nun als Erwachsener ernst genommen fühlen können.

 

Quelle: SWL

 
01.10.2016 - DasSeil
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